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Ein Königreich für ein Zeitfenster

July 2, 2016

 

Liebes Leben. Warum hat der Tag eigentlich nur 24 Stunden? Und warum fange ich immer erst am Tag des Redaktionsschlusses an zu schreiben?

 

 

Ich werde diese Kolumne nicht pünktlich abliefern. Die Kinder sind krank, der Schreibtisch voller Arbeit und von der Bude möchte ich gar nicht reden. Hier irgendwo muss sich doch ein kleines Zeitfenster auftun. Irgendwo? Ein klitzekleines?

 

Es wäre natürlich einfach, hätten wir einen Fernseher. Aber nein, so leicht machen wir es uns nicht. Es geht auch ohne, da sind wir fest überzeugt. Jetzt, wo sie so schön spielen, müsste es doch klappen.

 

Den Rechner angeschaltet und los geht’s. Das Thema Plätzchenbacken wäre doch gut – mit einer mehlbestäubten Küche, Eierschalen in der Schüssel, einem verklebten Boden und dass ich es in meiner langen Kuchenteignaschkarriere nicht einmal erlebt habe, das man von rohem Teig Bauchschmerzen bekommt.

 

Doch bevor ich den ersten Gedanken aufgeschrieben habe, weint schon die Große: Der Kleine sei doof und mache ihr immer alles kaputt. Der wiederum hat Durst. Inzwischen ruft das Mädchen nach Klopapier. Auf dem Weg ins Bad fällt mir zum Glück noch die Wäsche ein. Morgen geht es wieder in den Kindergarten  – das Bettzeug muss zunächst einmal sauber und dann dringend trocken werden. Kannst du uns jetzt einen Apfel aufschneiden?

 

Und vor mir immer noch ein leerer Bildschirm.

 

Wieso zum Teufel haben wir keinen Fernseher?! Das Wasserglas ist inzwischen umgestoßen. Die Große hat geschubst, der Kleine heult. Mama, ich brauche die Schere. Und den Klebestreifen. Der Kleine rennt mit den Stiften davon, die Große stolpert bei der Jagd und braucht mindestens drei Trostpflaster. Sagte ich, die Kinder seien krank? Ich stelle das Mittagessen auf den Herd. Mama, schau mal, was wir gebaut haben...

 

Es reicht. Genug ist genug. Ich suche den alten Laptop und finde ihn sogar mit Ladekabel. Zeitfenster, Du bist so nah! 23 Minuten und 45 Sekunden HEIDI auf Youtube. Stille.

 

Da höre ich es plötzlich: Das Piepen des Grauens. Die Waschmaschine ist fertig...

 

Diese Kolumne entstand im Jahr 2013 für die Räuberpost.

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