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Über das erste Zeugnis und Zeit, die viel zu schnell vergeht. (Mit echten Mama-Tränen.)

July 18, 2017

Liebes Leben. Seltsamerweise macht mir der Gedanke, dass das erste Schuljahr des Mädchens schon rum ist, mehr zu schaffen als die Einschulung vor einem Jahr. Vielleicht, weil ich bisher immer nur nach vorn und nicht zurück geschaut habe. Aber irgendwann ist ja immer das erste mal...

 

 

Mein Mädchen. War es nicht vorgestern, dass sie mit einem dramatischen ersten Auftritt unsere bis dahin ahnungslose Welt betrat?

 

Dass wir sie stundenlang angehimmelt und das sagenhafte Gesichtskino aus traumzuckenden Äuglein, Engelslächeln und gespitzten Schnuten bewundert haben? Sie war so klein, ein Fünftel von dem, was sie heute ist. Dieses Fliegengewicht schlummerte solange auf meinem Bauch bis ich gelb war. Ich wagte mich nicht aufs Klo, um sie nicht zu wecken.

 

Habe ich nicht gerade noch pausenlos gesungen und das unruhige Bündel umhergetragen, damit die abendlichen Schreiphasen für sie und uns erträglicher wurden? Und war es nicht eine Erlösung als wir feststellten, dass sie Kinderwagenaufkopfsteinpflaster viel cooler fand?

 

Ein Lächeln aus ihren wachen Augen reichte aus, um meinen Tag schön zu machen. Ich war Ihr ganzes Universum und sie meins.

 

Als die ersten Monate verflogen waren, begannen wir damit , jeden weiteren Entwicklungssprung herbeizusehnen: Das erste Greifen, das Drehen, der erste Brei, das Krabbeln, das erste Wort, die eigenen Schritte. Nichts konnte schnell genug gehen.

 

Liebes Leben, Du warst ungeahnt anstrengend. Aber so wunderschön, dass ich erst damals wirklich begriff, dass genau das das LEBEN ist. Und mir nichts Dir nichts war das erste Jahr rum.

 

 

Als unser Mädchen zur Tagesmutter kam, hatte ich damit mehr zu tun als sie. Beim Kindergarten war es umgedreht. Manchmal habe ich geweint weil ich dachte, ich machte alles falsch. Manchmal habe ich sicher zu viel von ihr verlangt, was mir aufrichtig leid tut.

 

Dafür brachte uns das Mädchen später eine prächtige Auswahl an Schimpfwörtern aus dem Kindergarten mit. Zwischendurch staunten wir über die fröhlichen Lieder, fantasievollen Bilder und all die wunderbaren Anekdoten, mit denen sie unseren Alltag reicher machte.

 

 

Eines Tages wackelten nicht nur die Zähne, sondern auch ihre Seele. In einer nervenaufreibenden Zeit wurde aus unserem kleinen Mädchen ein Vorschulkind, das allein Brötchen holen wollte, bis auch dieses Abenteuer kein Abenteuer mehr war.

 

Und schwupps, hatte sie plötzlich eine Schultüte in der Hand.

 

Jetzt ist fast ein ganzes Jahr vergangen und sie ist unheimlich groß geworden.

 

 

Mein Mädchen. Mir geht das alles viel zu schnell. Morgen ziehst Du vielleicht schon aus unserem großen Familienbett in Dein eigenes Zimmer.

 

Übermorgen muss ich 100 Meter von der Schule entfernt parken, weil Du mich peinlich findest.

 

Den Tag darauf bringst Du Emil/Karl/Friedrich mit nach Hause, der sich gerade erst von Emma/Karla/Frida getrennt hat, die jetzt natürlich sauer auf Dich ist.

 

Noch drei Mal schlafen und Du machst Deinen Schulabschluss und trägst auf dem Ball ein Kleid mit Schlitz. Fünf mal rumdrehen und Du schmeißt Dein Studium, weil Du erst einmal um die Welt reisen und frei sein willst.

 

Und dann kommt eine Karte aus Neuseeland, auf der steht, dass Du den Menschen Deines Lebens getroffen hast, dass Du uns liebst und dableiben wirst.

 

Das wird der Zeitpunkt sein, an dem ich mir wünschen werde, Dich kleines Energiebündel noch einmal im Arm halten und hunderttausend schwierige Phasen mit Dir durchstehen zu dürfen. Dich stundenlang über Kopfsteinpflaster zu schieben und Dir auf meinem Bauch singend den Kopf zu kraulen, bis Du eingeschlafen bist. Gemeinsam mit Dir aufzuräumen, wenn Du aus Wut alle Schränke ausgeplündert hast und mit Dir zu diskutieren, warum Du noch keinen Nagellack darfst.

 

Sag doch bitte noch mal doofe Mama.

 

Leider kann ich gleich nicht mehr weiterschreiben. Ich sehe alles nur noch verschwommen. In tiefer Dankbarkeit für das, was ich bisher erleben durfte werde mich nun zurückziehen und mich innerlich der nächsten großen Aufgabe des Mamadaseins widmen: Dem Loslassen.

 

Liebes Leben, Danke für Deine wunderbaren Lektionen. Aber jetzt gehe ich erst mal heulen.

 

 

 

 

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