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Weniger ist manchmal mehr. Über die ersten Sommerferien des Mädchens.

September 3, 2016

Liebes Leben. Die ersten Sommerferien des Mädchens sind vorüber. Sechs unspektakuläre, aber wundervoll erfüllte Wochen. Ich habe etwas von Dir gelernt: Auch ohne große Pläne kann man es sich schön machen.

 

 

Zugegeben, ich hatte am Anfang etwas Bammel, wie wir die gemeinsame Zeit wohl rumkriegen würden. Sechs Wochen frei, alle drei Kinder zu Hause und der beste Mann von allen auf Arbeit.

 

Was, wenn es langweilig wird? Wenn die Kinder Wünsche äußern, die ich ihnen nicht erfüllen kann? Wenn sie nörgeln weil sie hören, was andere alles unternehmen? Was, wenn wir uns furchtbar auf die Nerven fallen würden? Und was könnte ich dagegen tun?

 

Zweifellos gibt es eine Menge, was man auf die Beine stellen kann. Allerdings hatte ich für die Organisation von Reit-, Tanz-, Abenteuer- oder Kreativcamps im Vorfeld weder Zeit noch Muße.

 

(Um ehrlich zu sein rebellierte etwas in mir gegen diesen Gedanken. Mal ehrlich  – das Mädchen ist sieben. Es kann in seinem Leben noch sehr, sehr viel tanzen, reiten, abenteuern und kreativ sein.) 

 

Wir hätten auch spannende Ausflüge unternehmen, Verwandte am anderen Ende des Landes besuchen und nicht zuletzt in den großen Familienurlaub fahren können. Irgendwohin, wo die Luft anders riecht, das Essen anders schmeckt und der Alltag weit weg ist.

 

Klingt in der Theorie verlockend.

 

Hatte in der Praxis aber einen Haken: Unsere Ferien standen unter dem Stern unseres Hausbaus.

 

Erstens ging es mit dem Rohbau genau in der Ferienzeit los. Zweitens verschlingt dieses Vorhaben eine Menge Kohle. Drittens musste sich der beste Mann von allen seinen Jahresurlaub für den späteren Ausbau unseres Heims aufheben.

 

Das ist auf der einen Seite aufregend und schön. Auf der anderen Seite war ich ein bisschen traurig. Ich habe mich gefragt ob uns etwas fehlen würde, wenn wir dieses Jahr nicht gemeinsam wegfahren.

 

Obwohl mir mein Bauch das Gegenteil sagte, mischte sich mein Kopf ein und stänkerte mit Gedanken wie „Du musst den Kindern doch etwas bieten.“ oder „Ihr könnt nicht die ganze Zeit nur bei Oma und Opa abhängen!“ und „Guckt doch mal, was die anderen alles Tolles machen“ rum.

 

 

Zum Glück hörte ich auf meinen Bauch. Wir haben uns einfach treiben lassen. Oft waren wir schlicht bei den Dorfgroßeltern. Es wurde nach Herzenslaune getobt, geplanscht und in den Tag hinein geträumt. Zuerst haben wir uns die Bäuche mit Kirschen vollgehauen, dann mit Himbeeren, Mirabellen und zuletzt wurde jede Menge Brombeermarmelade gekocht. Inzwischen prangen die ersten reifen, prallen Pflaumen an den Bäumen und warten darauf, himmlisches Mus zu werden.

 

 

In einem alten Baumstumpf auf dem Hof der Dorfgroßeltern hat sich eine winzige Wasserstelle gebildet, in der jetzt Frösche wohnen. Das Mädchen und der Bursche haben mit Steinen, Rinde und Pflanzen eine kleine Welt drumherum gebaut und kümmerten sich rührend um ihre neuen „Haustiere“. 

 

Sie haben mit Oma und Opa Kartoffeln gebuddelt, Höhlen gebaut, Eier eingesammelt und unsere Richtkrone gebastelt. Und während die Kinder mit den Großeltern rumeierten, habe ich sogar arbeiten können und einmal mehr das Leben als Freiberuflerin schätzen gelernt.

 

Mittendrin war das Mädchen das erste Mal eine ganze Woche allein bei den Stadtgroßeltern. Sie kam um eine Reitstunde und einen Zoobesuch reicher, ein paar Schwimmzüge sicherer und mindestens 10 cm größer zurück.

 

 

Wohl auch wegen der intensiven Zeit mit seinen Geschwistern machte das Bürschlein riesige Sprünge und stand den Großen in Schabernack nichts nach. Außerdem übte er sein erstes Sprechen, wobei die Geschwister kräftig mithalfen. Der letzte Schrei war das Wort „Eierkuchen“, das sie ihm mit Inbrunst einflößten. Glaubt mir: Nichts klingt niedlicher, als wenn ein Anderthalbjähriger leidenschaftlich „Eierduda“ ruft.

 

Daneben wollte er uns eine Menge andere Geschichten erzählen. Leider verstanden wir ihn selten. Wenn er aber „Mama“, „Buuuuuust“ und „Miiiiich“ ruft weiß ich jedenfalls, dass er gestillt werde  möchte. Daneben ist „ham“ das derzeit meistgenutzte Wort. Alles will das Bürschlein „ham“. Und wenn er mal etwas nicht „ham“ kann, „ham“ wir Alarm, fragt nicht nach Sonnenschein.

 

Apropos Sonnenschein: Das Wetter hätte insgesamt schöner sein können, wisst Ihr ja selbst.

 

 

Und noch etwas ist mir aufgefallen. Die Kinder untereinander haben sich – neben den normalen Streitigkeiten – sehr gut verstanden. Besser als sonst. Ich glaube so viel, intensiv und schön haben die Großen noch nie zusammen gespielt. Meistens freuten sie sich auch über das Bürschlein, das immer wieder bei ihnen mitmischte.

 

Nur eine Sache nahmen sie ihm wirklich übel: Dass er ihnen einen Badenachmittag verdarb, weil er seinen gut verdauten Eierduda geradewegs ins Planschbecken semmelte...

 

 

 

Der beste Mann von allen war sechs Wochen lang der ärmste Mann von allen, denn er schmorte die ganze Zeit im Büro.

 

Aber die Wochenenden! Die Wochenenden waren so schön!

 

Denn die haben wir zusammen verbracht – meistens in unserem ausgebauten Bauwagen auf dem Dorf. Dort ist es ganz anders als in der Stadt. Wir leben reduziert, auf engstem Raum, umgeben von Natur und Weite. Wenn wir uns waschen wollen oder Wasser zum Kochen brauchen müssen wir kräftig an der alten Wasserpumpe pumpen. In einem Holzhäuschen wartet eine Kompost-Toilette. Im kleinen Kühlschrank ist nur das Nötigste.

 

Wenn wir dort draußen sind, brauchen wir keine Ausflüge oder Events. Kommen wir am Sonntag zurück in die Stadt fühlt es sich jedes Mal so an, als wären wir eine Woche weg gewesen. Es ist dieses pure Leben, das uns gut tut, uns erdet.

 

 

Im nächsten Jahr wird das Dorf unser Zuhause sein und dieser Gedanke ist wunderschön. Das Haus ist mittlerweile mächtig gewachsen – in der letzten Woche haben wir das Richtfest gefeiert. Es wird genauso, wie wir es uns wünschen, aber dazu bald mehr.

 

 

 

Nun geht die Schule wieder los – mit allem, was das mit sich bringt. Die Ferien locker und ohne große Pläne anzugehen war das Beste, was wir tun konnten.

 

Denn wisst Ihr was?

 

Dem Mädchen hat es trotzdem gut gefallen. Sie hat nichts vermisst, der Bursche und das Bürschlein auch nicht. Und ich? Ich habe es genossen. Es waren die viele kleinen unaufgeregten Dinge, die ein unbeschwertes Ganzes draus machten.

 

Ein gemeinsame Reise ist wunderbar. Aber die Welt geht nicht unter, wenn es mal nicht klappt. Das Wichtigste ist, dass wir uns haben.

Dann fehlt nichts.

 

Danke für diese schönen Ferien, liebes Leben!

 

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