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Über die Sehnsucht, mal allein und ganz woanders zu sein. (Warnhinweis: Kann Spuren von Kitsch enthalten)

September 24, 2016

Liebes Leben. Neulich warst Du mal ganz besonders fantastisch.

Da habe ich eine halbe Stunde lang geduscht. Einfach so, ganz allein. Niemand musste aufs Klo, keiner war feeertig. Auch die Waschmaschine lief nicht.

 

 

Während ich mit geschlossenen Augen dastand und den warmen Regen genoss sinnierte ich, was ich als nächstes tun könnte.

 

Runter in dieses niedliche Restaurant an der Ecke gehen und was Leckeres bestellen zum Beispiel. In Ruhe essen. Ich würde jeden Bissen genießen, ohne etwas kleinmantschen oder in kindgerechte Stücke schneiden zu müssen. Ohne Gesabbel und Gemäkel. Dafür mit einem anständigen Glas Rotwein. (Sagte ich Glas? Karaffe!) Ich könnte mich auch einfach noch mal hinlegen. Fantastische Idee.

 

Nachdem ich gegessen UND geschlafen hatte, machte ich einen Strandsparziergang. In einem hellen Hippiekleid, dessen Muster weder aus Schnotter noch aus Essenflecken bestand.

 

Die Luft war herrlich warm. Während ich mit den Füßen durch das türkisblaue Wasser schlenderte achtete ich nicht darauf, ob irgendjemand zu weit reinläuft. Ich schleppte nicht mal einen Versorgungsrucksack. Oder ein Kind. Oder Stöcker und Steine. Oder ein Kind und Stöcker und Steine. Ich setzte mich in den feinen weißen Sand und beobachtete verträumt, wie die Sonne den romantischsten Abgang aller Zeiten machte.

 

Ich freute mich wie ein Keks auf die abendliche Strandpromenade – die bunten Lichterketten zwischen den Palmen, die Straßenmusiker und den Duft der gebrannten Mandeln, die ich mit niemandem teilen müsste.

 

 

 

Ich überlegte gerade, an welchem Cocktail ich später nippen würde, als jemand an meinem Kleid zupfte.

 

Oh! Mein! Gott!

 

Alles so schön und dann sexuelle Belästigung am Urlaubsort? Das darf doch nicht wahr sein. Ich wollte mich just umdrehen, da fühlte ich eine Hand.

 

Direkt an der Brust!

 

Und dann geschah das Fatale: Ich merkte, dass ich aufwachte. Die Augen noch geschlossen, ein Bein im Mittelmeer versuchte ich meinem Schicksal zu entfliehen. Vergebens. Ich merkte, wie mich die Realität in ihre starken Arme schloss und stieß innerlich einen der lautesten Flüche meines Lebens in den Morgenhimmel. Sch.....!!!

 

Worte können nicht beschreiben wie bockig ich war, so bockig war ich.

 

 

 

Aber dann öffnete ich die Augen. Der kleine, energisch an mir zupfende Bursche strahlte mir unwiderstehlich ein „Mama Milch“ entgegen. Und während ich mein Shirt lupfte stellte ich fest, dass er über Nacht schon wieder süßer geworden war.

 

Genau wie das Mädchen, das neben mir noch fest schlief. Wie friedlich sie dalag. Hinter mir hatte sich der große Bursche schon an meinen Rücken gekuschelt.

 

Und der beste Mann von allen schaute mit erhobener Brötchentüte zu Tür herein. Sonntag. Ach, wer will schon alleine urlauben, wenn er dieses Glück haben kann...

 

 

Dieser Text erschien in der Herbstausgabe 2016 der Räuberpost.

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